fröhlich, zornig - und natürlich viel zu spät

Lübeck, 19. Apr 2005 (bn0) - Herzlich willkommen auf der Website der ArbeitslosenSelbsthilfe Lübeck. Oder vielleicht genau andersherum: Nach mehr als zwanzig Jahren ArbeitslosenSelbsthilfe sind auch wir nun endlich eingetroffen und strecken vorsichtig unsere Fühler in den Cyberspace aus.

Ob die Welt im Netz unsere Website braucht oder die Menschen auf den Straßen unsere Website gebrauchen können, wird sich zeigen. Erstmal handelt es sich nur um eine Seite mehr, die sich irgendwie mit dem Thema Erwerbslosigkeit beschäftigt. Zur Zerfledderung der Sozialen Netze, zu Hartz IV, Arbeitslosengeld II, Ein-€uro-Jobs, Zumutbarkeit und Arbeitszwang gibt es ja mehr im Netz zu finden, als der Einzelne üblicherweise bewältigen kann - und vieles davon ist einfach gut. Gleiches gilt für Informationen, Tipps und Hilfen im Umgang mit den Ämtern. Wer danach sucht, wird in der Regel durchaus fündig.

Diese Website will daher auf den Versuch verzichten, das Rad neu zu erfinden. Ob uns das gelingt, das müssen wir erst herausfinden. Erfahrungsgemäß ist es ziemlich attraktiv, sich mit der Neuentdeckung des Rades zu beschäftigen und noch attraktiver ist sogar, immer wieder die ganze Welt zu erklären - weil wir doch die einzigen sind, die sie wirklich verstehen. Wir machen das dann mit der ganzen Routine unserer zwanzigjährigen Geschichte.

Aber natürlich würden wir diese Seite nicht machen, wenn wir nicht überzeugt wären, dass sie ihren Nutzen haben kann als ein Anlaufpunkt für den Themenkreis von Lohnarbeitszwang und Erwerbslosigkeit, soweit er sich spezifisch auf Lübeck bezieht. In diese Richtung soll unser Angebot denn auch behutsam wachsen, immer gedacht als Mischung aus Spieltrieb und ernstgemeintem Service. Und wir wollen gar nicht erst so tun, als wäre dies ein professioneller Netzauftritt. Das ist er nicht.

Der Name krisentango ist übrigens so etwas wie die nostalgische Anknüpfung an die kleine Zeitung, die die Arbeitslosenselbsthilfe Lübeck unter diesem Titel Mitte der achtziger Jahre herausgegeben hat. Er scheint uns noch immer passend. Gegen die Deregulierungswut haben wir schon damals geschrieben. Die Deregulierung der Arbeitsverhältnisse ist schließlich kein Geniestreich der Schröderschen Sozialdemokratie, auch wenn Hartz IV in dieser Politik eine neue Qualität bedeutet.

Immerhin merkwürdig für uns, beim Eintritt in den Cyberspace in eine Sphäre zu gelangen, wo Kapitale und Regierungen, ganz umgekehrt wie »draußen in der wirklichen Welt«, gerade jetzt von einer ungeheuren Regulierungswut befallen sind. Natürlich ist das nur die spiegelnde Kehrseite der Medaille. Es geht um Macht und Kontrolle - als Thema nicht eben neu.

Welcome to the code.